Fatoumata Diawara, 1982 geboren in der Cote d’Ivoire, in Mali aufgewachsen, behauptet von sich, sie (und ihre Generation) sei das neue Afrika. Ein Afrika, das bemerkt, dass aus all der großen Kultur und der politischen Bewegung seit den 70er Jahren wenig Greifbares geblieben ist. Noch immer bewegen dieselben Probleme die Menschen, und noch immer muss eine Musikerin aus Westafrika nach Paris umziehen, um ihren Traum von der Kunst umsetzen zu können.

Doch Fatoumata Diawara ficht das nicht an. Im Gegenteil, sie nutzt es, um – als Stimme eben dieser neuen Generation Afrikas – wieder eine Bewegung in Gang zu setzen, die Westafrika zurück auf die internationale Landkarte der Kulturregionen hebt. Mit ihren gerade einmal 30 Lenzen hat sie dazu auch schon ein großes Stück beigetragen, anfänglich im jugendlichen Alter als Schauspielerin (unter anderem in Filmen von Cheikh Omar Sissoko und Dani Kouyaté) und schließlich auch ganz eigen mit selbstbewusster Stimme, profunder Gitarrentechnik und westafrikanisch ausgeprägtem Folkpop.

Den Weg dahin musste sie sich förmlich erkämpfen, als unverheiratete und damit rechtlose Frau, selbst wenn sie schon eine berühmte Filmschauspielerin war. Der Weg führte von ihrer Familie weg, per Flucht knapp an der Flughafenpolizei von Bamako vorbei nach Paris, wo sie erst in Jean-Louis Courcoults bekannter französischer Straßentheatergruppe Royal de Luxe spielte und schließlich zu singen begann. Selbst die Wahl des Instruments wurde zu einer politischen Demonstration: denn in der traditionellen Musik ist die Gitarre den Männern vorbehalten.

Seit Mitte der 2000er Jahre wurde so aus Fatoumata Diawara der „Enthaltsamen“ – langsam die neue, süß-kämpferische Stimme Malis: ein einfaches Mädchen, das sich den Weg zur Kunst, zur Musik über Jahre erkämpft hat. Ein Mädchen, das die Gitarre in die Hand genommen hat und so den Weg der großen Singer-Songwriterinnen der internationalen Musikgeschichte gegangen ist: von der großen Joan Baez über Joni Mitchell bis Tracy Chapman. Mit ihnen teilt Fatoumata Diawara sowohl die emotionale, folkgebundene Melodik wie auch die politische Sendung ihrer Texte. Ihr westafrikanisches Erbe, vor allem die Tradition der weiblichen Sängerinnen der Wassoulou-Region im Süden Malis, aktualisiert sie mit einem immerwährenden Elfenlächeln und einem zackigen Akkord auf der Gitarre flugs zum Rahmen für gesellschaftlich hochbrisante Songs. Und erschafft damit unmerklich, aber eindeutig aus der schönsten eineweltseeligen Harmonik einen neuen Anspruch, der sich wohl wahrhaft als das neue Afrika bezeichnen kann.

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